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2AH im Schloss Belvedere

Am 24. Mai fuhr die 2ah, in Begleitung ihrer Professorin Elisabeth Schellhorn, ins Belvedere, um an einer Führung zur Jahrhundertwende teilzunehmen. Der folgende Bericht stammt von Elias Frank.

Das Schloss Belvedere wurde von Prinz Eugen im Barock-Stil erbaut. Das Stiegenhaus ist besonders prunkvoll gestaltet, mit Figuren an den Wänden und Decken (Engel, Waffen, etc.). Die Führung führt durch zahlreiche Räume mit vielen Gemälden. Im 1. Raum befindet sich ein Portrait von Franz Stefan von Lothringen. Die Portraits dieser Zeit haben einen sehr starren, künstlichen Ausdruck. Oft haben die Personen in den Gemälden eine unangenehm anmutende Handhaltung, da versucht wurde durch die Handhaltung die jeweilige Gefühlslage der Personen darzustellen. Auch haben die Kinder auf diesen Gemälden sehr erwachsen wirkende Gesichter. Frauen trugen eher blaue und Männer eher rosarote Kleidung.

Prinz Eugen war eine ungewöhnlich anmutende Gestalt. Er war lediglich 1,50 Meter groß und hatte Narben im Gesicht. Es ging das Gerücht um, er wäre schwul. Er hatte nie Kinder, jedoch 7 Schlösser. Er starb als reicher Mann. Nach seinem Tod hat seine Frau Maria Theresia das Schloss Belvedere und 2 weitere Schlösser aufgekauft.

Im 2. Raum der Führung befinden sich Gemälde von damals besonders exotischen Tieren (Hyänen und Strauße). Von diesem Raum aus hat man eine besonders gute Aussicht auf die Ringstraße, für die die alte Stadtmauer abgerissen wurde. An der Ringstraße wurden zahlreiche wichtige Gebäude erbaut wie z.B. das Rathaus und die Hofburg.

Im 3. Raum befinden sich die Gemälde von fünf Frauen die eine Allegorie darstellen. Die Frauen sind nackt und entsprechen dem damaligen Schönheitsideal, also kurvige Figur. Sie stellen 5 verschiedene Begriffe dar. In diesem Raum befindet sich auch ein großes Gemälde an dem u.a. Gustav Klimt mitgearbeitet hat.

Der 4. Raum beherbergt viele Gemälde des Expressionismus, der sich im 19. Jahrhundert entwickelte, eines von Vincent van Gogh und eines von Gustav Klimt. Zu ihrer Zeit erregten diese Künstler großen Aufsehen und auch Empörung durch ihre Gemälde, da sie mit den allgemeinen Normen dieser Zeit brachen. Ihre Bilder waren sehr emotional und „wild“ gemalt. U.a. malte Gustav Klimt eine Frau mit Andeutungen von Schamhaaren, was als unglaublich anstößig galt. In dem Raum befindet sich auch ein Gemälde von Ferdinand Hodler das eine vermeintlich geschlechtslose Person zeigt. Die Person auf dem Bild besitzt körperliche Attribute von beiden Geschlechtern, was die Zuordnung zu einem Geschlecht so gut wie unmöglich macht. Zu dieser Zeit setzten sich viele Künstler die Idee in den Kopf ihre Bilder so zu gestalten, dass sich der Betrachter selbst die Bedeutung des Bildes ausmalt.

Der 5. Raum ist der „Gustav-Klimt-Raum“.

Gustav-Klimt ist u.a. bekannt für seine Freundin, die größer als er selbst war und die entgegen der damaligen Norm kein Korsett, sondern Reformkleider trug.

Gustav-Klimt malte sehr expressionistische Gemälde wie z.B. der Kuss, der die besondere Eigenschaft hat, dass egal wie man das Bild dreht, es immer noch Sinn ergibt.

Mich persönlich spricht die Idee eines asexuellen Wesens besonders an. Ein gutes Beispiel für dieses Konzept ist das Gemälde „Ergriffenheit“ von Ferdinand Hodler.

Er lebte 1853-1918. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen und schloss eine Lehre im künstlerischen Bereich ab, was ihn schließlich zur Kunst brachte. Zum Gemälde an sich gibt es keine bekannte Geschichte, es ist scheinbar lediglich ein Experiment von der Vermischung weiblicher und männlicher Attribute in einer Person.

Das Gemälde ist deshalb mein Favorit, da es eine Art optische Täuschung ist, die unser festgefahrenes Verständnis von Mann und Frau vollkommen über den Haufen wirft. Es zeugt von einem fortschrittlichen, toleranten Menschenverständnis.

Informationen zum Bild
Ferdinand Hodler: Ergriffenheit
Quelle: http://reproarte.com/de/themenauswahl/stilrichtungen/symbolismus/ergriffenheit-detail [dl.:21.06.20169]